Zeitdiebe auf der Bühne | Wiesbadener Kurier

Zeitdiebe auf der Bühne | Wiesbadener Kurier

Von Hendrik Jung

SONNENBERG. „Was ist Zeit?“ Es sind philosophische Fragen wie diese, die bei den Sommerfestspielen Wiesbaden einen Teil des Charmes ausmachen bei der Inszenierung „Momo“. In der Produktion des Theaters kuenstlerhaus43 wird der Widerstand des wilden Mädchens gegen den Zeitdiebstahl der grauen Herren aber auch mit heiterem Überschwang dargestellt, schließlich hat Regisseur Wolfgang Vielsack das Stück für Menschen ab fünf Jahren konzipiert.

Besonderen Anteil an der vielschichtigen Inszenierung und entscheidenden Anteil an den starken Eindrücken hat Gitarrist Marek Herz, der das Geschehen auf der Bühne mit seinen musikalischen Kommentaren versieht. Knackige Rhythmen begleiten häufig ausgelassene und fantasievolle Choreografien.

Mit ihrer klaren, ausdrucksstarken Singstimme singt Clara Seibt ihren Slogan von der Zeitsparkasse in ihrer Rolle als grauer Herr, beäugt mit kritischem Blick das Treiben von Momo (Vivien Pantea Seifert). Oliver Lemki als Beppo Straßenkehrer vermittelt seine Philosophie: „Schritt, Atemzug, Besenstrich“. Der wandlungsfähige David Marquis agiert als Nachbarsjunge Paolo, als angeblich vollkommene Puppe und wirbeliger Friseur Fusi.

Stephanie Meisenzahl spielt Fremdenführerin Gigi. Patrick Twinem in einer Doppelrolle führt Momo als Schildkröte Kassiopeia zu dem ebenfalls von ihm dargestellten Meister Hora.

Im Premierenpublikum sind jüngere wie ältere Gäste gleichermaßen begeistert von der Umsetzung des Märchenromans, die noch bis zum Ende der Sommerfestspiele am 12. Juli zu sehen ist. Stadtverordnetenvorsteher Gerhard Obermayr (CDU) ist diesjähriger Schirmherr. Er überreichte als Premierengeschenk eine Keramik-Froschkönig an Susanne Müller und Vielsack. Als Symbol dafür, dass das kuenstlerhaus43, das sich auf der Suche nach einer neuen Bleibe befindet, auf eine baldige Veränderung hoffen könne.

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