Mach’s gut, Ariane. Abschied von Ariane Klüpfel-Twinem

Mach’s gut, Ariane. Abschied von Ariane Klüpfel-Twinem

Am Donnerstag, den 10. September 2026, ist Ariane Klüfel-Twinem nach schwerer Krankheit im Krankenhaus in Bonn gestorben.

Wir verlieren mit Ariane nicht nur eine Schauspielerin, die gerade in den Anfangsjahren unseres Theaters viele Produktionen geprägt hat. Wir verlieren eine langjährige Weggefährtin und Freundin.
Ariane war Schauspielerin mit ganzem Herzen. Sie brachte eigene Ideen mit, war mutig, zuverlässig und konnte sehr unterschiedliche Figuren mit Leben füllen. In ihren frühen Rollen war sie oft die Liebende, die mit Charme und Hartnäckigkeit ihren Weg ging. Später wurden daraus immer häufiger starke Frauen, die sich nichts sagen ließen – und so manchen Mann ziemlich klein aussehen lassen konnten.

Eigentlich war Ariane schon dabei, bevor es viele der späteren Stücke überhaupt gab: Bereits 2005, bei unserer Eröffnungsveranstaltung mit 24 künstlerischen „Türchen“ vor Weihnachten, gestalteten Ariane und Paddy gemeinsam einen Abend mit einer selbstgeschriebenen Weihnachtsgeschichte. Damit gehörte sie von Anfang an zur Geschichte des Theater kuenstlerhaus43.

2007 spielte sie in „Rien ne va plus“ Anne von Hülf, die Schwester der späteren Mörderin, gespielt von ihrer Freundin Thordis Howe. Elf Wochen lang spielten wir diese interaktive Produktion in Wiesbaden. Und Ariane schaffte dabei etwas, das wohl nur im Theater möglich ist: Sie heiratete sogar auf der Bühne – im Wiesbadener Kurpark. Getraut wurde sie von niemand anderem als dem Oberbürgermeister a. D. Hildebrand Diehl.

Von 2007 bis 2008 war sie in „Warten auf Gotod“ als Abbigail zu sehen. Eine anspruchsvolle Rolle mit langen Monologen: DIE FRAU in einer Männerwelt, die sich nichts gefallen ließ. Eine Figur, die Ariane mit großer Präsenz ausfüllte.

Eine ihrer prägendsten Rollen bei uns wurde dann die Julia in „Romeo und Julia“. Kurz nach der Premiere übernahm sie 2009 die Rolle und spielte sie bis zur letzten Vorstellung 2013. In diesen Jahren hat Ariane mehrere Romeos „verschlissen“ – und ist selbst unzählige Male als Julia auf unserer Bühne gestorben, um dann beim Schlussapplaus als Ariane wieder aufzustehen.

Als 2009 bei „Dr. Heinrich Faust in den Goldenen 20ern“ ihr Mann Patrick „Paddy“ Twinem krankheitsbedingt ausfiel, sprang Ariane kurzerhand als Mephisto ein. Und was für einer: Im Lederkorsett gab sie einen herrlich lasziven, verführerischen Mephisto – mit Witz, Charme, teuflischem Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Spielfreude.

Und wenn Not am Mann – oder an der Frau – war, konnte man sich auf Ariane verlassen. Beim „Leichenschmaus & Schwarze Katzen“ sprang sie für Susanne Müller ein, als diese krankheitsbedingt ausfiel. In „Der Kleine Prinz & die 7 Todsünden“ übernahm Ariane zeitweise die Rolle der Vagabundin an der Seite von Annegret Cratz.
Selbst als unsere Bühne während der Zwangsschließung des Theaters 2022 dunkel bleiben musste, war Ariane dabei: Sie wirkte bei unserem Hörspiel nach Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“ mit. Theater ging damals nur ohne Zuschauer – aber gemeinsam ging es trotzdem weiter.

Viele Jahre nach ihren ersten großen Rollen stand sie 2023 bei den „Bremer Stadtmusikanten“ noch einmal für uns auf der Bühne. Gleich drei kleine Rollen übernahm sie: Bio-Bäuerin, Katzentante und Ganovin. Erst stritt sie mit ihrem Esel und jagte ihn davon, dann setzte sie die Katze vor die Tür – und am Ende wurde sie als ziemlich ängstliche Ganovin selbst von den Bremer Stadtmusikanten verjagt.

Aber Ariane gehörte nicht nur auf der Bühne zu uns.

Sie war hilfsbereit, hatte ein offenes Ohr für die Sorgen anderer und war sich für nichts zu schade. So stand sie bei uns auch immer wieder ehrenamtlich hinter der Bühne und half dort, wo gerade eine Hand gebraucht wurde.

Ariane war außerdem Mitgründerin des Vereins „Sommerfestspiele Wiesbaden e. V.“ und über viele Jahre dessen Kassenprüferin. Auch damit hat sie einen Teil der Geschichte unseres Theaters mitgeschrieben.

Nach der sehr intensiven Zusammenarbeit in den Anfangsjahren des Theater kuenstlerhaus43 wurden die gemeinsamen Produktionen mit der Zeit weniger. Der Kontakt aber riss nie ab – nicht zuletzt durch ihren Mann Patrick „Paddy“ Twinem, der bis heute jedes Jahr in verschiedenen Produktionen bei uns auf der Bühne steht.

Ariane blieb uns verbunden. Und sie blieb eine Freundin.

Wenn ein Mensch stirbt, mit dem man so viele Jahre Theater gemacht hat, bleiben nicht nur Rollen und Stücktitel zurück. Es bleiben Bilder. Gemeinsames Lampenfieber. Proben. Pannen. Gelächter hinter der Bühne. Abende, an denen alles funktioniert hat – und solche, an denen man gemeinsam dafür sorgen musste, dass es trotzdem irgendwie weitergeht.

Und es bleiben die vielen Figuren, denen Ariane für ein paar Stunden ein Leben gegeben hat.
Anne von Hülf. Abbigail. Julia. Mephisto. Die Vagabundin. Eine Bio-Bäuerin, eine Katzentante und eine ziemlich schlechte Ganovin.
Sie alle sind mit Ariane von unserer Bühne gegangen.

Die Erinnerungen an sie bleiben.

Mach’s gut, Ariane.

Unser tiefes Mitgefühl gilt Paddy und allen Menschen, die Ariane nahestanden.

Deine Freundinnen und Freunde vom

Theater kuenstlerhaus43

Back to Top